Das architektonische Manifest - Duale Struktur und Potenzial

Florian Engelhardt

Das architektonische Manifest ist der stärkste Ausdruck des interdisziplinären Bezugs von Architektur und Literatur und verdeutlicht wie keine andere Textform den Stellenwert, den das Schreiben in Architekturtheorie und -produktion einnimmt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bedienen sich Architekten dieser Textform, um ihre Vorstellung von Architektur klar und deutlich zu postulieren. Besonders die Klassische Moderne der 1920er- und die Nachkriegsmoderne der 1960er-Jahre brachten eine Vielzahl an Manifesten in der Architektur hervor. In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der veröffentlichten Manifeste in unserem Fachbereich stark abgenommen – jedenfalls derjenigen mit Substanz, d.h. einer klaren Position als Ausdruck eines kritischen, zeitrelevanten und vor allem prospektiven Ansatzes, die der eigentlichen Bedeutung des Manifests gerecht werden. Doch wieso schreiben Architekten kaum noch Manifeste? Könnte die aktuelle architekturpolitische Situation ein Grund dafür sein? Handelt es sich bei der Textform des Manifests tatsächlich um ein archaisches (Schreib)Werkzeug? Oder sehen wir uns schlichtweg mit einem mangelnden Verständnis derselben konfrontiert? In diesem Kontext stellt die Masterarbeit den Versuch einer gattungsspezifischen Definition des architektonischen Manifests dar und untersucht seine Textform daraufhin, was sie zu einem architektonischen Ausdrucksmittel macht, um so ihr mögliches Potenzial bezogen auf den aktuellen Architekturdiskurs herauszustellen.  

Die Diplomarbeit Das architektonische Manifest - Duale Struktur und Potenzial wurde am Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften (Anselm Wagner) betreut.