Sigrid Verhovsek

Sigrid Verhovsek (2012), Stadt: Relation(en) von Architektur und Politik am Schauplatz Graz, Institut für Städtebau; 1. Gutachter: Grigor Doytchinov, 2. Gutachter: Anselm Wagner; 297 Seiten, Deutsch.

Politik als Gesamtheit von Institutionen, Prozessen, Praktiken und Ideologien bestimmt den Rahmen unseres Lebens, regelt gesellschaftliche Abläufe, steuert den Staat als übergeordnetes Gemeinwesen. Verschiedene Aspekte der Architektur, Sinn (Funktion und Intention), Raum (geographischer Ort und kulturell angeeigneter Raum) und Form (Materie und Baustil), können einzeln oder gemeinsam starke politische Bezüge aufweisen, die keineswegs unidirektional verlaufen: Architektur als Bestandteil und Trägermaterie der kollektiven Erinnerungen prägt Identität, Denkart und aktuelle kulturelle Praxis. Der durch Architektur geschaffene und erzeugte Raum wirkt auf die sozialen Kontakte und alltagsweltlichen Vorgänge der Menschen. Die aus diesem täglichen Leben resultierenden Konflikte und Bedürfnisse verlangen unter Umständen nach gesamtgesellschaftlich verbindlichen politischen Regelungen, die dann wiederum auf verschiedene Weise Architektur beeinflussen können. Eine einseitige Betrachtung, die nur einen Teil dieses Kreislaufes berücksichtigt, verkürzt komplexe Vorgänge in diesem Spannungsfeld von Architektur und Politik auf ein eindimensionales Bruchstück. Gerade im urbanen Raum entstehen durch die Konzentration von Architektur und Politik vielfältige Überlagerungen dieser Relationen, die anhand des Schauplatzes Graz analysiert werden. Gespiegelt in den normativen Regulationssystemen der Gesetze, Richtlinien, Baubestimmungen und Raumordnungen, in Standortentscheidungen und Förderungsbestimmungen und nicht zuletzt in der Struktur der zwischen Architektur und Politik vermittelnden Institutionen von Staat und Zivilgesellschaft zeigen sich verändernde Bedürfnisse der Gesellschaft, gleichsam gefiltert durch die hegemoniale politische Kultur. Ideologische Leitmotive und Bruchlinien verknüpfen sich mit Architektur und formen das Bild der Stadt und ihrer Gesellschaft.

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