Mission Statement - Institut für Wohnbau (i_w)

Deuten oder verstehen kann man den eigenen aktuellen Standpunkt (als Architekt) nur referentiell zu einem anderen Bezugssystem – thematisch, zeitlich oder räumlich. Eine wichtige Voraussetzung für das Finden, Vertreten und auch Wechseln eines Standpunkts ist Wissen um die Geschichte „unserer eigenen“ sowie wesentliche Charakteristika „anderer“ Wohn-Kulturen, also kulturhistorisches und interkulturelles Wissen. Die Basis für eine dahingehende diskursive Thematisierung von Wohnbau, über unterschiedliche Qualitäten von Grundrissen und Räumlichkeiten in verschiedenen lebensweltlichen Zusammenhängen, erfordert zunächst Überlegungen über ein gemeinsames Grundvokabular mit klar definierten Begriffen.

Räume sind ursprünglich nicht eindeutig handlungsbezogen determiniert. Als zunächst mobile Gerätschaften oder flexible Werkzeuge für verschiedene Funktionen dienen Herd, Tisch, Bett, Kasten, Bad, WC. Sie setzen sich nach und nach dauerhaft in Räumen oder Gebäuden fest, differenzieren diese nach den in ihnen stattzufindenden Tätigkeiten und bestimmen schließlich als Möbel die uns bekannten „Wohn“räume – auch als Folge des ökonomisch geprägten Optimierungsanspruchs des sozialen Wohnbaus und in engem Zusammenhang mit dem Prozess der Individualisierung des modernen „zivilisierten“ Menschen: durch die Verschiebung die Schamgrenzen und Peinlichkeitsschwellen. Diese flexiblen bis eindeutigen Festschreibungen von Räumen vor dem Hintergrund unterschiedlicher sozialer und geografischer Kulturen bilden die Grundlage für eine kritische, vergleichende Betrachtung wesentlicher Wohnbauten aus dem österreichischen und internationalen Diskurs. Aus der Analyse dieser kulturhistorischen Überlegungen lehren wir eine kritische Betrachtung gegenwärtiger Grundrisstypologien. In Korrelation zu sozial relevanten Fragestellungen entwickeln wir Strategien mit Potentialen zur Veränderung behaupteter Standards. Im Rahmen der Diskussion aktueller Bauwerke gehen wir auf gestalt- und kostenrelevante Normen und Gesetze ein und setzen diese in Beziehung zum gebauten Raum. Dieser Aspekt spannt auch den Bogen zu den Forschungsthemen des Instituts:

•   Kosten und Leistbarkeit von Wohnraum in Herstellung und Unterhalt

•   Flexibilität der Aneignung und Benützbarkeit in Gebäudestrukturen im Maßstab der einzelnen Wohnungen oder von Agglomerationen

•   kritische Analyse von raumplanerischen Entwicklungen und Strategien gegen Zersiedelung. 

Institut für Wohnbau

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