Mission Statement - Institut für Gebäudelehre (IGL)

Das Institut für Gebäudelehre differenziert zwischen Bauaufgaben. Für unterschiedliche Bauaufgaben und deren architektonische Entwurfsarbeit bedeutet das unterschiedliche gestalterische, logistische und typologische Herausforderungen. Von einer Kirche, einer Bibliothek, einem Büro, einem Kindergarten, einem Theater, einer Universität oder einem Krankenhaus erwarten wir nicht nur anders in Empfang genommen zu werden, auch ihre unterschiedlichen Nutzer- und Interessensgruppen stellen jeweils eigene Anforderungen an sich wiederholende, alltägliche Handlungen und Bewegungen, psychohygienischen und atmosphärischen Komfort, Optionen für kollektives Beisammen- oder zurückgezogeneres Für-Sich-Sein und nicht zuletzt eine typologische Semantik.Daraus ergeben sich innere Ordnungsstrukturen, die wir mit dem Außen zu einer architektonischen Einheit zusammenführen. Die Differenz aus innen und außen in eine architektonisch motivierte Form zu bringen, bedeutet die gleichzeitige Bearbeitung von offenen und geschlossenen Gebäudekonfigurationen. Diese synchrone Bearbeitung von innen und außen ist an traditionelle planliche Ansichts-, Grundriss- und Schnittdarstellungen als adäquate Kommunikations- und Vermittlungsform architektonischen Wissens gebunden – kein Text, keine Diskussion, keine Kameraperspektive kann über diese Gleichzeitigkeit von innen und außen bei einer komplexen Bauaufgabe Auskunft geben. Der architektonische Plan zeigt völlig unphänomenologisch immer Vorder- und Rückseiten, zugleich das Darüber und das Darunter.

Gebäudelehre heißt daher auch tatsächliches Lernen von genretypisch bedeutsamen Gebäuden und vonGebäudeplänen,die–fürdieAnalysezuSkizzen,Diagrammen,MusternundSchemataabstrahiert – für erneute Zeichnungs- und Darstellungstiefen zur Verfügung stehen. Neben unabdinglichen Exkursionen bedeutet das die fortlaufende Sammlung von beispielgebenden und herausragenden Projekten der Architekturgeschichte, die vornehmlich mittels Grundriss, Schnitt und Ansicht bzw. Axonometrie als Präzedenzfälle, als Anknüpfungsobjekte an frühere Architektengenerationen, zur Stärken-Schwächen-Analyse, als typologische und/oder ideologische Anregung oder Kritik in die architektonische Entwurfsarbeit der Studierenden am Institut einfließen.

Architektonische Arbeit transformiert Fragmente eines Readymades, das als Ort, als Alltag, als Bestand, als Konvention, als Stereotyp immer schon vorhanden ist. Am Institut für Gebäudelehre konzentriert sich das architektonische Entwerfen auf den Gebäude- und Ensemblemaßstab – not more, not less – an den immer wieder die gleichen programmatischen Anforderung gestellt werden: Intentionalität als gestalterisch motiviertes, sinnliches und sinnfälliges Zusammenzwingen der Differenz des Inneren und Äußeren eines Gebäudes. Dieser Quintessenz des Architekonischen begegnen Entwurfshandlungen mit Heuristiken, Mustern und Musterbildungen, die sich je nach Bauaufgabe und Ort auch fundamental voneinander unterscheiden können bzw. müssen.

Das Institut für Gebäudelehre strebt eine europaweite Vernetzung mit vergleichbaren Lehrstühlen für den praktischen Bereich der Lehre und Forschung an. Vor allem hinsichtlich der Brauchbarkeit für den Unterricht wären Synergien, Entwicklungs- und Forschungsdesiderate der vielzähligen und oftmals auf privaten Initiativen begründeten Architekturdatenbanken zu diskutieren und in Richtung eines akademisch verbindlichen und transparenten Wiki-Systems zu entwickeln.

Das Institut lehrt, für vieles – aber nicht für alles – zuständig zu sein. Dem Entwurf von gestalterisch anspruchsvollen öffentlichen Gebäuden ist ein Generalismus immanent, der beinhaltet, dass eine Architektin oder ein Architekt, Expertin oder Experte für Architektur wird, wenn Entwürfe auch entsprechend ihrer Konzeption umgesetzt werden sollen. Dies ist nur durch die Einbettung der eigenen Arbeit in die Geschichte der Ideen, der Projekte und Persönlichkeiten der Disziplin möglich. Ohne reflexive Absicherung und Bewusstsein um ihre Historizität können sich Entwurfsvorschläge nicht auf kulturelle Verantwortungen berufen.

Institut für Gebäudelehre

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