Armin Stocker (2025), Konstruktive Grundlagen des Entwerfens, Institut für Grundlagen der Konstruktion und des Entwerfens
Habilitationskommission: Hans Gangoly, Tom Kaden, Petra Petersson, Andreas Trummer, Viktoria Haspl, Dorothee Hippler
Die Baukonstruktion ist wesentliche Grundlage des architektonischen Entwurfs und des Bauens als Akt der menschlichen Äußerung im Raum. Die Abhängigkeiten, die zwischen den Tätigkeiten des Konstruierens und des Entwerfens bestehen, sind reziprok-interdepender Natur und sollen deshalb in gegenseitiger Bedingung und Abhängigkeit ausgeübt werden.
Die klassischen Prozesse, die sich seit Beginn der Moderne ausgebreitet und die letzten hundert Jahre das Baugeschehen dominiert haben, kommen zunehmend aus ökologischen und soziokulturellen Aspekten unter Druck. Doch der Entwurf als Technik und Mittel verstanden, der es uns ermöglicht, aus einem abstrakten Gedanken einen realen gebauten Raum zu schaffen, bleibt Voraussetzung für jede Architektur, denn Architektur besteht aus Materie. Diese Materie ist nicht neutral, sondern Materialien und Konstruktionen üben mit ihren technischen und kulturellen Konnotationen maßgebliche Wirkung auf den Entwurf aus – und umgekehrt.
Ist die Baukonstruktion auf einer pragmatischen Seite des Denkens und Handelns angesiedelt, so ist das Entwerfen einer intuitiven Handlung gleichzusetzen. Baukonstruktion und architektonischer Entwurf sind also mit dem vergleichbar, was Ferdinand de Saussure als ein Blatt definierte, bei dem man zwar zwei Seiten unterscheiden könnte, das aber niemals in zwei Hälften geteilt werden könnte.
„Konstruktive Grundlagen des Entwerfens“ arbeitet diese beiden Pole als ein gegenseitiges Wechselspiel heraus und wirkt der Tendenz entgegen, Konstruktion und Entwurf getrennt zu betrachten, zu erforschen und zu unterrichten, da der Gesellschaft entsprechende Architektur nur in diesem Wechselspiel entstehen kann. Die Habilitationsschrift erforscht und vermittelt die Baukonstruktion als integralen Bestandteil des Entwurfs und die Formfindung in der Architektur in gegenseitiger Bedingtheit ihrer dinglichen Manifestation, also des Erbauens und Nutzens in der erlebten Welt. Der Kern der Arbeit ist die Etablierung einer holistischen Sicht der Architektur und ihres Entstehungsprozesses und ihrer weiteren Genese.