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Blog - Wie Sie Predatory Journals erkennen

Spot the difference: Wie Sie Predatory Journals erkennen

Autorinnen: Michaela Zottler, Gerlinde Maxl
Veröffentlicht am: 27.03.2020
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Die Zeiten, in denen alle Predatory Journals durch schlechte Grammatik und blinkende Banner auf ihrer Webseite identifizierbar waren, sind vorbei. Es gibt diese Art der Predatory Journals zwar noch, doch die meisten von ihnen treten heute scheinbar professionell auf. Es ist daher nicht immer einfach, ein Predatory Journal zu erkennen. Wir wollen Ihnen deshalb mit diesem Blogbeitrag ein Werkzeug für die erste Überprüfung von Zeitschriften in die Hand geben.
 

Merkmale von Predatory Journals

Es gibt unterschiedliche Merkmale, die darauf hindeuten, dass es sich bei einem Journal um eine unseriöse Zeitschrift handelt. Zu beachten ist hier allerdings, dass einzelne zutreffende Kriterien nicht zwingend bedeuten, dass es sich um ein Predatory Journal handelt. Außerdem kann eine solche Kriterienliste immer nur als Richtschnur zur Bewertung von Journals dienen. Sollten nach dem ersten Check noch Zweifel an der Seriosität einer Zeitschrift bestehen, finden Sie weiter unten weitere Möglichkeiten zur Überprüfung.

Folgende Kriterien können auf Predatory Journals hindeuten:

  • Die Website der Zeitschrift weist Rechtschreibfehler und schlechte Grammatik auf.
  • Die Emailadresse läuft über einen Gratis-Provider. (gmail.com, yahoo.com, usw.)
  • Die Kontaktadresse existiert nicht oder führt zu einer anderen Adresse als in den Kontaktdaten angegeben.
  • Die Zeitschrift prahlt mit fragwürdigen, irreführenden oder nicht existenten Metriken.
  • Der Verlag der Zeitschrift gibt eine Vielzahl an Zeitschriften mit ähnlichen Titeln in vielen unterschiedlichen Forschungsbereichen heraus.
  • Die Zeitschrift verspricht einen ungewöhnlich schnellen Veröffentlichungsprozess. („zu gut, um wahr zu sein“)
  • Die Zeitschrift ist in keinen bekannten Datenbanken für wissenschaftliche Zeitschriften auffindbar, gibt aber dennoch eine lange Liste an Indices wie Kataloge und Websites an.
  • Mitglieder des Editorial Boards existieren nicht oder wurden ohne die Zustimmung dieser Personen aufgenommen.
  • Die Zeitschrift lässt keine Rücknahme von eingereichten Artikeln zu.
  • Die APCs sind besonders niedrig, um so viele Autorinnen und Autoren wie möglich dazu zu verleiten, dort zu publizieren.
  • Manuskripte werden nur per Email und nicht durch ein Online-System angenommen.
  • Der Verlag der Zeitschrift sendet individualisierte Einladungen an Forschende, in der Zeitschrift zu publizieren.

Eine weitere detaillierte Liste mit Kriterien für Predatory Journals bietet die bekannte Webseite „Think. Check. Submit.“. Beziehen Sie am besten auch die dort angeführten Kriterien in Ihre Überlegungen mit ein.
 

Blacklists und Whitelists – mithilfe von Datenbanken Predatory Journals identifizieren

Um Zeitschriften zu prüfen gibt es zudem Datenbanken, die Listen von Predatory Journals (Blacklists) oder aber auch Whitelists von vertrauenswürdigen Zeitschriften anbieten.

Die chronologisch erste Blacklist war Beall's List. Jeffrey Beall schuf sie 2008, seit 2017 wird sie von anonymen Betreibern oder Betreiberinnen geführt. Wir empfehlen diese Liste nicht, da die Kriterien, nach denen Zeitschriften als predatory eingestuft werden, nicht veröffentlicht werden und daher nicht transparent und nachvollziehbar sind.

Eine empfehlenswerte Datenbank stellt Cabells International dar. Diese definiert transparent klare Kriterien, nach denen die Zeitschriften auf der Whitelist und der Blacklist ausgewählt werden und evaluiert diese Listen in regelmäßigen Abständen. Beide sind nicht kostenfrei verfügbar. Ihre Bibliothek hat unter Umständen Cabells für die eigenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lizensiert. Die Bibliothek der TU Graz bietet ihren Forschenden beispielsweise einen kostenfreien Zugang zur Blacklist.

Beim DOAJ – Directory of Open Access Journals – handelt es sich um eine Whitelist von Open Access Zeitschriften mit Peer Review. Um im DOAJ gelistet zu werden, müssen Zeitschriften sich aktiv bewerben. Die Kriterien, die dafür erfüllt werden müssen, sind auf der Website öffentlich einsehbar. DOAJ veröffentlicht zudem eine Auflistung, die Neuzugänge und Abgänge verzeichnet. Auch DOAJ stellt daher eine gute Informationsquelle dar, um die Seriosität von Zeitschriften zu prüfen.
 

Predatory oder einfach Low Quality?

Neben Predatory Journals gibt es allerdings auch Zeitschriften, die ein oder mehrere „predatory“ Merkmale aufweisen, und dennoch keine Predatory Journals sind. Dabei handelt es sich meist um Zeitschriften, die zwar keine Täuschungsabsichten verfolgen, deren Qualität allerdings nicht den üblichen Standards eines wissenschaftlichen Journals entspricht. Auch wenn diese nicht als predatory einzustufen sind, können Sie sich die Frage stellen, ob Sie in solchen Zeitschriften minderer Qualität veröffentlichen wollen. Es braucht kein Predatory Journal, um Ihren Ruf zu schädigen.
 

Im Zweifelsfall: Fragen Sie Ihre Bibliothek!

Wenn Sie sich nach Ihrem Self-Check unsicher sind, ob Zeitschriften die Qualitätsstandards einhalten, wenden Sie sich am besten an Ihre Bibliothek. Dort finden Sie Expertinnen und Experten, die Zeitschriften gerne für Sie auf Ihre Seriosität eingehend prüfen.

Forschende der TU Graz können sich dazu jederzeit per Mail an die Publikationsberatung der Bibliothek wenden: service.bibliotheknoSpam@tugraz.at.

Links

„Think. Check. Submit.”: https://thinkchecksubmit.org/
Cabells: https://www2.cabells.com/
DOAJ: https://doaj.org/