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Blog - Die Farben von Open Access

Die Farben von Open Access

Autorin: Michaela Zottler
Veröffentlicht am 25.11.2019
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Open Access hat sich als Begriff in der Wissenschaft bereits etabliert. Da das Konzept von OA dennoch jung ist, entstehen immer neue Begriffe, um unterschiedliche Spielarten von Open Access zu kategorisieren. Diese orientieren sich für gewöhnlich an Farben. Nach den ursprünglichen Varianten Gold und Green kamen Diamond, Black, Blue und viele mehr. Bei diesen handelt es sich allerdings nicht um gänzlich neue Konzepte, sondern um Subkategorien von Gold und Green. In diesem Blogbeitrag bieten wir einen Überblick über die umfangreiche Farbenwelt von Open Access und stellen im Anschluss eine schlanke und übersichtliche Alternative zum derzeitigen System vor.
 

Gold

Open Access kann auf zwei unterschiedliche Arten realisiert werden: Durch die Publikation in einer Open-Access-Zeitschrift oder durch (Selbst-)Veröffentlichung in einem Repositorium. Der goldene Weg bezeichnet die erste Option. Die Veröffentlichung ist damit am originalen Erscheinungsort sofort frei zugänglich. Allerdings fallen dabei sogenannte ‚Article Processing Charges‘ (APCs) an. Das bedeutet, dass – anstatt für die Subskription der Zeitschrift zu bezahlen – pro veröffentlichtem Artikel eine Gebühr eingehoben wird. Diese Gebühren werden meist nicht von den Autorinnen und Autoren direkt beglichen, sondern über Förderungen von Universitäten oder anderen Forschungsinstituten finanziert.
 

Green

Green Open Access stellt die gängige Alternative zu Gold Open Access dar: die Veröffentlichung in einem Repositorium. Dies geschieht zusätzlich zur Publikation in einer Subskriptionszeitschrift. Sowohl Preprints als auch Postprints können auf diese Weise archiviert werden. Die Repositorien selbst werden entweder von Institutionen wie der TU Graz betrieben oder es handelt sich um einen facheinschlägigen Dokumente-Server wie arXiv. Je nach vom Verlag vorgegebener Lizenzvereinbarung ist der grüne Weg gar nicht – wenn das Copyright allein beim Verlag und nicht bei den AutorInnen liegt – oder erst mit einer zeitlichen Verzögerung möglich (Embargo-Frist).

Green und Gold OA können sich überschneiden. Das geschieht beispielsweise dann, wenn ein Artikel in einem Gold-Open-Access-Journal veröffentlicht und von der Autorin oder dem Autor zusätzlich in einem Repositorium archiviert wird. Das ist lizenzrechtlich möglich, da Artikel in Gold OA-Zeitschriften von den Autorinnen und Autoren frei (weiter-)verwendet werden dürfen.

Der grüne Weg ersetzt die Publikation in einer Zeitschrift daher nicht, sondern dient dazu, sie weiter verbreiten zu können bzw. langfristig online zugänglich zu machen.
 

Hybrid

Der hybride Weg bezeichnet eine Veröffentlichung in einer Subskriptionszeitschrift, die durch eine zusätzliche Zahlung Open Access gestellt wird. Der Vorteil für Forschende besteht darin, in etablierten Journals veröffentlichen zu können und den Artikel dennoch frei zugänglich zu halten. Kritisiert wird allerdings, dass dabei doppelt bezahlt wird – zuerst für die Veröffentlichung und anschließend für die Subskription der Zeitschrift. Man spricht bei diesem Freikaufen der Veröffentlichung von ‚Double Dipping‘.
 

Diamond

Diamond bezeichnet eine Veröffentlichung in einer Gold OA-Zeitschrift. Im Unterschied zu Gold OA verzichtet der Verlag hierbei jedoch auf APCs.
 

Platinum

Platinum Open Access wird für exakt gleich wie Diamond verwendet: für Gold Open Access ohne APCs.
 

Bronze

Um Bronze Open Access handelt es sich, wenn ein Artikel auf einer Verlagswebsite ohne Lizenzbestimmungen veröffentlicht wird. Damit ist er zwar frei zugänglich, doch darf er aufgrund der fehlenden Lizenz nicht weiterverbreitet oder -verwendet werden. Zudem gilt Bronze nicht als nachhaltige OA-Veröffentlichungsweise, da es allein in der Hand eines Verlags liegt, wie lange der Artikel online frei verfügbar ist oder ob er wieder hinter einer Paywall verschwindet.
 

Black

Der Begriff Black Open Access wird für unautorisierte Veröffentlichungen von Artikeln über Piraterie-Plattformen wie Sci-Hub verwendet.
 

Blue

Blue Open Access erlaubt die Archivierung von Artikeln ausschließlich in Form von Postprints. Der Begriff wird nicht einheitlich verwendet, da er auch für Green Open Access mit Embargofrist genutzt wird.
 

Yellow

Yellow Open Access erlaubt ausschließlich die Archivierung von Preprints.
 

White

White Open Access schließt jegliche Archivierung einer OA-Publikation aus.
 

Vereinfachung der Kategorien – eine Alternative

Für Forschende ist dieser Kategorien-Wildwuchs nachteilig. Gibt es beispielsweise OA-Richtlinien eines Fördergebers, die den grünen Weg für Publikationen vorschreiben aber gleichzeitig die Archivierung des Postprints verlangen, handelt es sich nach der jetzigen Kategorisierung genaugenommen nicht um Green OA. Beim grünen Weg gibt es keine Einschränkungen bezüglich der Publikationsversion. Unklarheiten führen hier zur Gefährdung der Förderung. Forschende und Fördergeberinnen und -geber brauchen daher eindeutige Kategorien, die Interpretationsspielräume vermeiden.

Eine alternative Möglichkeit stellt beispielsweise die Kategorisierung von Éric Archambault dar. OA-Publikationen werden dabei in zwei Kategorien eingeteilt, die sich dadurch definieren, wer Publikationen zuerst veröffentlicht. Publiziert sie ein Verlag, handelt es sich um Gold Open Access. Veröffentlichen sie die Autorinnen und Autoren selbst, handelt es sich um Green Open Access.

Alle anderen Möglichkeiten OA zu kategorisieren sind für Archambault Konnotationen zu Gold und Green. Diese nennt er ‚Qualifier‘. Diese Qualifier konkretisieren Gold und Green Open Access auf eindeutige Weise. Folgende Konnotationen schlägt Archambault vor:

  • Zeitpunkt der OA-Veröffentlichung: Instant OA (IOA) oder Delayed OA (DOA, bei Embargofristen, beispielsweise D₆OA bei sechsmonatiger Embargofrist)
  • Sich verändernde Verfügbarkeit: Transient OA (TOA)
  • Copyright-Verletzungen: Rough OA oder Robin Hood OA (ROA)
  • Lizenzbestimmungen: durch Copyright geschützt, CC-Lizenzen, Public Domain, etc.
  • Version: Preprint, Postprint, ‚Version of Record‘ (Verlagsversion) – hier fordert Archambault eine Überarbeitung, da diese für ihn veralteten Begriffe aus der Zeit vor der Digitalisierung stammen.
  • ‚Peer-Review-Bypass‘: Predatory OA (POA) – hier schlägt Archambault die neutralere Benennung ‚Allegedly questionable‘ vor.

Dieses System zeigt einen Weg auf, wie mit nur zwei grundsätzlichen Kategorien – Gold und Green – klare Begrifflichkeiten geschaffen werden können. Gleichzeitig schließt es Überschneidungen von Gold und Green OA aus, indem von Verlagen publizierte Veröffentlichungen auch Gold Open Access bleiben, wenn sie später von den Autorinnen oder Autoren auf einem Repositorium archiviert werden. Archambault vermeidet damit Doppelgleisigkeiten ohne die historische Entwicklung außer Acht zu lassen.

Es ist offen, ob die Kategorisierung nach dem derzeitig vorhandenen Farbsystem bestehen bleibt oder sich eine Alternative wie die von Archambault durchsetzen wird. Einfache, klare Begrifflichkeiten wären aber sowohl für Forschende als auch für Fördergeberinnen und -geber mehr als wünschenswert.
 

Links

Kategorisierung von Open Access nach Éric Archambault: https://figshare.com/articles/Scielo_20_years_conference_Universalisation_of_Scientifc_Dissemination_presentation_Archambault_Universalisation_of_OA_pdf/7147121/1