In AK Planungsgeschichte interessieren wir uns für die Stadtentwicklung und das Stadtwachstum von Graz. Im Mittelpunkt unserer Untersuchungen steht dabei exemplarisch das Gebiet südlich der ehemaligen Bastion von Graz, mit dem Opernring, dem Jakominiplatz und den südlich angrenzenden Bereichen. Dieser Stadtteil von Graz, der seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit gründerzeitlichen Gebäuden im Quartier bebaut wurde und die bestehenden Flächen und Gebäude durch das Stadtwachstum überlagerte, ist Ausgangspunkt für unsere Case Studies. Diese Überlagerungen sorgen dafür, dass bis heute „merkwürdige“ Situationen entstehen, die man sich auf den ersten Blick nicht erklären kann. Um diesen Merkwürdigkeiten im Stadtteil Jakomini auf den Grund gehen, wollen wir uns in diesem Semester diese Fragen stellen:

Wie entwickelte sich das jeweilige Quartier? Welche Logik und städtebaulichen Leitideen sind dieser Entwicklung hinterlegt? Wie sind die heutigen Straßen und Wege in diesem Stadtteil entstanden? Was sind die Gründe für bestimmte Formen und Besonderheiten im Stadtgrundriss? Was entstand hier über die Zeit durch Wachstum, Verdrängung, Zerstörung? Lassen sich die Bedingungen der Entwicklung aus alten Plänen ablesen?

Wie lässt sich dies anhand von Stadtplänen, Archivalien, ausgewählter Fotos, Postkarten und Literatur etc. nachvollziehen? Wie können wir Stadtwachstum und Veränderungen im Stadtkörper von damals bis heute dokumentieren? Kann diese Analyse für den heutigen architektonisch-städtebaulichen Entwurf relevant werden?

Dabei steht das Ensemble und die stadträumliche Disposition im Mittelpunkt des Seminars, weniger das Einzelbauwerk, dem üblicherweise die Aufmerksamkeit gilt. Gemeinsam untersuchen wir diese Fragen und erarbeiten experimentell Materialien für einen zukünftigen „Stadtatlas“ von Graz.

Lehrende Svenja Hollstein

Einführung, ab 22ter März 2022,16:00 Uhr