Projekt - WIE WAR´S IN DER SCHULE?

Der Raum als dritter Pädagoge? Eine Frage, die uns im Bildungsbau begleitet, aber dennoch kaum zu Veränderungen des Raumes führt. Was das Klassenzimmer betrifft, so ist alles beim Alten. Schon 1874 stand gesetzlich fest, was heute noch weitgehend Gültigkeit hat. Ein Klassenzimmer hat die Maße von 7m x 9m x 3,8m zu haben. Geändert hat sich nur die Belegungsdichte. Fanden 1874 in einer Klasse noch 80 Kinder Platz, so sind es heute 25, variabel ist also nicht der Raum, sondern die soziale Dichte. Bemerkenswert ist, dass die soziale Gruppe und der Raum auch begrifflich fusioniert sind, nämlich zur Klasse. Sind also die Schüler auch in Zukunft in der Klasse eingeschrieben und ein Entkommen gestaltet sich schwierig? Michel Foucault (1926-1984), ein französischer Philosoph, sah das Klassenzimmer als Macht- und Kontrollraum und als Raum zur Disziplinierung, aber ist es nicht vielmehr ein Raum, in dem eine inhomogene Gruppe von Schüler*innen soziales Verhalten trainiert und miteinander auskommen muss?

Dass der Raum und die darin Agierenden in einer Wechselbeziehung stehen, ist unstrittig. Es drängt sich daher die folgende Frage auf: Gäbe es ohne das Klassenzimmer keinen Frontalunterricht und durch den räumlichen Zuschnitt keine Zentriertheit auf die Lehrperson und somit andere erfolgreichere und bessere Formen der Wissensvermittlung? Ist der Klassenraum schuld am Frontalunterricht oder der Frontalunterricht schuld am Klassenraum? Bemerkenswert ist, dass sich trotz des Wandels der Pädagogik, einschließlich der Reformpädagogik, die Konstante im Schulbau das Klassenzimmer ist. Cluster – nein nicht der, den man mit Corona in Verbindung bringt – es ist der, der im Schulbau gerade State of the Art ist, d.h. vier Klassenzimmer gruppieren sich um eine offene Lernzone und bilden zusammen einen Cluster. Wir wollen der „Klasse“ entkommen und fordern die bestehende denkmalgeschützte Bausubstanz des Sacré Cœur Graz heraus. Ein Schulhaus, dass sich in unmittelbarer Nähe des TU Campus befindet und in seinem Wesen eine klassische Gangschule mit seriellen Klassenräumen ist.

Das Standbein, also eine vorliegende klare zweihüftige Struktur, soll um ein Spielbein, das zeitgemäße pädagogische Konzepte zulässt ergänzt werden und beidbeinig zu einer stabilen offenen Bildungseinrichtung führen. Auch ein zusätzlicher Turnsaal wird dringend gebraucht. Es bleibt eben nicht alles beim buchstäblich „Alten“. Wir bauen weiter an einem Schulhaus, das es seit 1851 gibt und an dem rückblickend schon immer weitergebaut wurde. Wir fügen der Geschichte des Gebäudes eine weitere Erzählung hinzu. Dass bei dieser Aufgabe der Denkmalschutz „mitredet“, ist selbstverständlich. Die Position des Denkmalschutzes wird Herr Dr. Christian Brugger, Leiter des Bundesdenkmalamtes, vertreten und die Projektübung begleiten. Uns bleibt nur noch die Frage:

„Wie war‘s in der Schule?“ „Es war mega cool in der Schule!“

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