Masterstudios Sommersemester 2015

Unfolded

Institut für Tragwerksentwurf

Die Baukeramik – Fliesen, Dach- und Mauerziegel – ist ein Materialsystem mit langer Tradition, doch nur der Mauerziegel hat als tragendes Element weltweit und in Österreich Bedeutung erlangt. Fortschritte im Bereich des Materials selbst, präzise und flexible Herstellungsmethoden sowie die Integration digitaler Entwurfswerkzeuge bis hin zur Baurobotik bieten nun neuen Gestaltungs- und Konstruktionsspielraum. Die Innovationen der jüngeren Vergangenheit lagen überwiegend im Bereich der robotischen Steinsetzung, welche aber die grundlegende Form des Ziegels nicht in Frage gestellt haben.
Studierende des Masterstudiums der Architektur entwerfen innovative, keramische Elemente und fügen diese zu lastabtragenden Materialsystemen. Die Entwurfstätigkeit wird dabei durch den praktischen Umgang mit dem Material und der
Herstellung von Probestücken geprägt. Die Ortweinschule - Abteilung für keramische Formgebung hat diese Veranstaltung in enger Kooperation begleiten. Das erfolgte durch gemeinsame Workshops bis zur intensiven Zusammenarbeit bei der Herstellung der Prototypen. Die Firma Tondach hat bei einer Werksbesichtigung Material und Herstellungsmethoden vorgestellt.

Konzept und Leitung: Stefan Peters, Andreas Trummer, Peter Kaschnig, Daniel Gethmann, Georg Hansemann & Robert Schmid

Narrative Architecture: Thomas Pynchon´s House

Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften

Konzept und Leitung: Petra Eckhard & Daniel Gethmann

Start up - Liebenau

Im Masterstudio „Start up – Liebenau. Entwicklung eines smarten Stadtteils für Graz" werden nachhaltige Entwicklungsszenarios für den jetzt unbebauten Bereich westlich „Alt Liebenaus“ untersucht, der im neuen Stadtentwicklungskonzept der Stadt Graz als langfristiges Baulandpotential festgelegt wurde. Die in Bau befindliche Südgürtelverbindung und die Annahme der Realisierung des geplanten Mur-Kraftwerks stellen wesentliche Randbedingungen dar.
Die zukünftige Erschließung des Gebietes, die funktionale Gliederung, die anzustrebenden Bebauungsdichte, das Angebot unterschiedlicher Wohntypologien, die Nutzung und Gestaltung des Freiraumes an der Mur nach dem Kraftwerksbau bzw. entlang des Petersbachs sowie der Aufbau von Identifikationsmerkmalen in dem jetzt eher gesichtslosen Bereich stellen Schwerpunkte der Auseinandersetzung dar, die insbesondere auf „smart City“-Prinzipien basieren soll.
Das Projekt wird durch die angeschlossenen Lehrveranstaltungen „Verkehrsplanung für Architekten“ (Dr. Fallast) und „Städtische Infrastruktur“ (Dr. Schnitzer) unterstützt.

Institut für Städtebau


Konzept und Leitung: Johann Zancanella

Die Räume des boxenden Künstlers

© Robert Rauschenberg "Canyon", 1959

Institut für Gebäudelehre

Die historisch wertvollen Gebäude am Hauptplatz der südsteirischen Gemeinde Arnfels bilden trotz intensiver Umgestaltungen der letzten hundert Jahren noch immer ein geschlossenes Ensemble. Dem Wunsch seiner Besitzer, dem Künstlerpaar Brettschuh – Muster folgend, soll es in ein Atelier und Galerie für Gerald Brettschuh umgestaltet werden — und in Zukunft zu seinem Museum. Brettschuh, der sich selbst als „Maler, Sammler.. und Trinker“ bezeichnet, wurde 1941 in Arnfels geboren. Seit 1976 lebt und arbeitet er wieder dort. Als Mitbegründer der legendären Sterz-Schrift, ehemaliger Lehrer an der Universität für Angewandte Kunst Wien und aktiver bildender Künstler mit internationalen Ausstellungen geht seine Bedeutung weit über Arnfels hinaus.
Die Ansiedelung der Galerie am Ort der Entstehung seiner Kunst bietet die Chance von Authentizität und Bodenständigkeit, wobei grundsätzliche Fragen zur „Kunst des Ausstellens“ oder der „Ausstellung als Kunstwerk“ zu diskutieren sind. In direkter Auseinandersetzung mit dem Künstlerpaar, werden nicht nur die Möglichkeiten einer Transformation der historischen Substanz, sondern vielmehr auch die grundsätzliche Aufgabenstellung und das Potential „personenbezogener Museen“ reflektiert.

Konzept und Leitung: Ulrike Tischler

URBANE GROSSFORM - Gleisdreieck Berlin

© Robert Rauschenberg "The Interloper Tries His Disguises", 1982

Institut für Gebäudelehre

Berlin – arm, aber sexy. Während die Stadt mit steigenden Mietpreisen, Gentrifizierung und teuren Großprojekten kämpft, tut sich in ihrem Zentrum ein blinder Fleck auf. Ein Grundstück am Gleisdreieck Berlin  – ein Ort für mögliche Utopien, mit dem Potential die Stadt von Innen umzudeuten.
Die Entwurfsaufgabe besteht in der Entwicklung einer architektonischen Großform. Eine Architektur, die nicht ausschließlich an Hand ihrer schieren Größe beschrieben werden kann, sondern über ihre Überhöhung, Qualität und Kohärenz als „Ereignis“ wahrgenommen wird. Eine Architektur, in der sich die Stadt – mit all ihren öffentlichen und privaten Programmen – zu einem Objekt verdichtet. Die Frage stellt sich welche Bedeutung diese Architektur mit ihrer identitätsstiftenden Erscheinung abseits einer marktwirtschaftlichen Verwertbarkeit einnehmen kann. Welche Rolle kommt dem oft zitierten und gepriesenen öffentlichen Raum zu? Welche Konzepte des kollektiven Zusammenlebens können entwickelt werden? Ein Programm wird gesucht, das die Lebendigkeit einer urbanen Mitte erzeugt: ein echter Hotspot, gemischt und verdichtet.

Konzept und Leitung: Markus Penell & Hans Gangoly

Borders and Boundaries 1

Institut für Architekturtechnologie

Konzept und Leitung: Roger Riewe & Marisol Vidal

Borders and Boundaries 2

Institut für Architekturtechnologie

Konzept und Leitung: Roger Riewe & Claudia Volberg

CLIMATECTURE. Micro climates for macro change

Institut für Architektur und Landschaft

Klima und Klimawandel bestimmen nicht nur unsere unmittelbaren Lebensbedingungen, sondern auch unsere politische, gesellschaftliche und gebaute Realität. Während sich die Architektur der Moderne immer stärker vom Ort gelöst hat und dabei idealtypische Konzeptionen entwickelte, die mit entsprechender energetischer und technologischer Ausstattung überall auf der Welt realisiert werden konnten, gewinnt in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit das Klima als Entwurfselement und wesentlicher Bestandteil des Ortes in der Architektur erneut an Bedeutung.
Klima bezeichnet den dynamischen, sich zeitlich wiederholenden Zyklus des Wetters an einem bestimmten Ort. Im globalen Kontext werden fünf Klimazonen - tropische, subtropische, gemäßigte, subpolare und polare Zone - unterschieden, die sich durch jeweils unterschiedliche klimatische Konditionen und somit unterschiedliche Lebensbedingungen für Pflanzen, Tiere und Menschen voneinander unterscheiden. Das Klima ist der Umweltfaktor, der die Landschaft wie auch die gebaute Umwelt entscheidend prägt und entsprechende Lebensgewohnheiten und soziale Praktiken ermöglicht.
Der vom Menschen verursachte Klimawandel wird in den nächsten Jahrzehnten zu einer geografischen Verschiebung dieser Klimazonen führen, was auf die natürliche und die gebaute Umwelt sowie auf sozialräumliche Konstellationen weltweit Einfluss haben wird. Bisher bekannte klimaarchitektonische Konzepte beschäftigen sich in der Regel mit der Adaption von Architekturen an bestimmte klimatische Konditionen sowie mit der Schaffung behaglicher Innenraumklimata.
Im Rahmen des Sommersemesters am Institut für Architektur und Landschaft hingegen suchen wir nach neuen architektonischen Konzepten, die aktiv mit dem jeweiligen Klima interagieren und dieses positiv beeinflussen, indem sie Sauerstoff produzieren, Schadstoffe aus der Luft filtern oder die Luft befeuchten.
In diesem Kontext entwickeln die Studierenden Prototypen für klimaaktive Architekturen, die unter Einsatz lokalen Know-hows nicht nur eine Verbesserung des örtlichen Mikro-Klimas beitragen können.
Der österreichische Pavillon "breath.Austria" auf der diesjährigen Expo in Milano, ein Projekt von terrain in Kooperation mit dem Institut für Architektur und Landschaft an der TU Graz, steht exemplarisch für einen solchen Prototypen. Er verbindet Architektur, Landschaft und Technologie zu einem integralen Entwurf. Die Prinzipien des Pavillons - die Schaffung einer klimatischen Hülle, die Integration von performativer Vegetation und unterstützenden nachhaltigen Technologien - sollen an unterschiedlichen klimatischen Standorten weltweit untersucht werden, um daraus neue performative Prototypen für Klima-Architekturen zu entwickeln, die landschaftliche Potentiale und soziale Praktiken integrieren.

Konzept und Leitung: Klaus K. Loenhart, Fabian Wallmüller & Anne Oberritter

prekär_land: aus|bildung

Institut für Wohnbau

Zu den großen Herausforderungen ländlicher Gemeinden gehört die Mobilität junger Menschen. Ihr Handeln ist von einer starken Individualisierung der Lebenspläne geprägt. Die Ausbildungs- und Arbeitsmärkte bestimmen oft über Bleiben oder Gehen. Das Ideal einer ausgewogenen Bevölkerungsstruktur kann in den ländlichen Regionen nach heutigen Hochrechnungen in den nächsten Jahrzehnten nicht erreicht werden, jedoch:
„... Das Bild eines unumkehrbaren Exodus junger Menschen hält der empirischen Realität nicht stand. Neben Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die für immer weggehen oder bleiben, gibt es auch solche, deren Weggehen nicht endgültig ist. Die Zwänge zunehmend flexiblerer Ausbildungs- und Arbeitsmärkte sowie die Individualisierung der Lebenspläne und -wünsche haben dazu geführt, dass es zusätzlich noch RückkehrerInnen, PendlerInnen und zahllose andere Formen der Mobilität gibt, die mit den beiden Extrempolen des Gehens oder Bleibens nicht mehr adäquat erfasst werden können.“1In unserer Übung unternehmen wir den Versuch, mit unterschiedlich skalierten Interventionen dem Abfluss von Bildung durch den Wegzug gut ausgebildeter Jugendlicher entgegenzuwirken.

1 „Jugendabwanderung im ländlichen Raum. Ein Einblick in die Wanderungsmotive von Jugendlichen aus Leoben und Bruck-Mürzzuschlag“, beteiligung.st Fachstelle für kinder-, Jugend- und BürgerInnenbeteiligung, 2014, S. 21

Konzept und Leitung: Elisabeth Anderl & Andreas Lichtblau

Der hohe Sitz

Institut für Architektur und Medien

Den Forschungsbereich, den wir kommendes Semester ausloten wollen, ist der Entwurf und die Fabrikation moderner Holzverbindungen in Kombination mit räumlichen Holzfachwerken. Wir möchten versuchen, der Leistungsfähigkeit traditioneller europäischer und internationaler Zimmermannsmethoden auf den Grund zu gehen und ihnen ein neues digitales sowie analoges Leben einzuhauchen.
Ist es möglich, klassische handwerkliche Holz-Holz-Verbindungen mit gegenwärtigen Gestaltungs- und Fabrikationstechnologien aus dem Schattendasein der Architektur zu holen? Kann die mit der Knotenausbildung zwangsläufig einhergehende Schwächung des Holzquerschnitts dennoch einen Mehrwert bringen? Wir glauben, dass sich Experimente in diese Richtung auf vielfältigste Art und Weise lohnen werden!
Das Versuchsobjekt, an dem wir all diese grundliegenden Ideen entwickeln und auch in die Realität umsetzen möchten,
ist „DER HOHE SITZ“, ein Aussichtsturm in der Landschaft, der den Nutzern einen anderen Blickwinkel auf die Landschaft und seine Umgebung ermöglicht. Er soll als kurzzeitiger Rückzugsort und für die Naturbeobachtung dienen.
Auf dem Weg dorthin werden wir jedoch viele Blicke nach links und rechts werfen (müssen) und so einiges über den Werkstoff Holz, Mass Customization, Digitale Fabrikation und das Programmieren von aktuellen holz-bearbeitenden Maschinen (kennen)lernen.

Ein Projekt aus der Region für die Region

Ziel ist es, mit Holz aus der Region ein Projekt umzusetzen, das durch diverse Kooperationspartner in Zusammenarbeit mit der TU Graz gefertigt wird und seinen finalen Standort in der Region findet. Somit entsteht ein Kreislauf, der für die Studierenden ein Projekt ermöglicht, welches von der Planung bis zur Realisierung umgesetzt wird und das schon während des Studiums.

Konzept und Leitung: Kai Strehlke & Christian Freißling
Mitarbeit: Mateusz Pankiewic & Paul Frick

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